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Ratgeber · Mitarbeitergewinnung

Headhunter im Handwerk: Kosten, Ablauf und wann er sich wirklich lohnt

Ein Geselle hat gekündigt, die Aufträge stapeln sich, und auf die Stellenanzeige meldet sich niemand. In dieser Lage denken viele Inhaber an einen Headhunter. Meine kurze Antwort: Für einen dringenden Einzelfall kann das eine Lösung sein. Auf Dauer brauchen Sie aber ein eigenes System, mit dem Ihr Betrieb selbst Mitarbeiter findet. Was ein Headhunter im Handwerk kostet, wie er arbeitet, was er rechtlich darf und welche Alternativen es gibt, zeige ich in diesem Beitrag.

Was ist ein Headhunter?

Ein Headhunter ist ein Personalberater, der im Auftrag eines Unternehmens gezielt Menschen anspricht, die gar nicht aktiv auf Jobsuche sind, und sie für eine offene Stelle gewinnen will. Fachlich nennt man diese Methode Direktansprache oder Active Sourcing. Der Unterschied zu einer Stellenanzeige: Der Headhunter wartet nicht auf Bewerbungen, sondern geht selbst auf mögliche Kandidaten zu, in der Regel auf Beschäftigte anderer Betriebe.

Wie verbreitet diese Arbeitsweise ist, zeigt die Branchenstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU): 79 Prozent der befragten Personalberatungen setzen „immer“ oder „sehr häufig“ auf Direktansprache.

Wie arbeitet ein Headhunter im Handwerk?

Ein seriöser Headhunter geht in vier Schritten vor:

  1. Briefing: Im ersten Gespräch klären Sie mit ihm, welche Fähigkeiten die neue Fachkraft mitbringen soll, wie Ihr Betrieb tickt und was Sie als Arbeitgeber zu bieten haben. Je klarer Sie hier sind, desto besser die Suche.
  2. Suche: Der Headhunter durchsucht sein Netzwerk, schreibt Personen über XING, LinkedIn oder Facebook an und spricht auf Branchenveranstaltungen mögliche Kandidaten an.
  3. Erstansprache und Vorauswahl: Interessierte Kandidaten werden in Gesprächen geprüft. Nach den Grundsätzen des BDU erhält der Auftraggeber anschließend einen vertraulichen Bericht über die empfohlenen Personen.
  4. Vorstellung und Einstellung: Sie lernen die Kandidaten kennen und entscheiden selbst. Üblich ist laut BDU eine Nachbesetzungszusage, falls die eingestellte Person in der Probezeit wieder geht.

Ob das gelingt, hängt nach meiner Erfahrung fast vollständig an der Person des Headhunters. Drei Fragen entscheiden: Wie gut kennt er Ihr Gewerk? Wie gut ist er im Handwerk vernetzt? Und wie überzeugend spricht er Kandidaten an, ohne Ihren Ruf zu beschädigen?

Was kostet ein Headhunter für Handwerker?

Personalberatungen rechnen meist mit einem Prozentsatz des Jahreszieleinkommens der gesuchten Person ab. Laut BDU-Studie lag das durchschnittliche Honorar 2023 bei 28 Prozent des Zieleinkommens, bei kleineren Beratungen und Boutiquen bei 25 Prozent. 77 Prozent der Beratungen kalkulieren nach diesem Prinzip, 9 Prozent arbeiten mit Festpreisen.

Zur Einordnung ein reines Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Jahreszieleinkommen von 48.000 Euro ergäben 25 Prozent ein Honorar von 12.000 Euro, 28 Prozent ergäben 13.440 Euro. Ein Satz von 25 Prozent entspricht rechnerisch drei Monatsgehältern bei zwölf Gehältern im Jahr.

Wichtig ist auch, wann Sie zahlen. Laut BDU arbeiten 72 Prozent der Beratungen mit einem Retainer mit einer Anzahlung von mehr als 20 Prozent, nur 5 Prozent rechnen rein erfolgsbasiert oder nach einem anderen Modell ab. Die BDU-Grundsätze sehen vor, dass eine erste Rate schon mit der Auftragserteilung fällig wird. Sie tragen also einen Teil des Risikos, auch wenn am Ende niemand eingestellt wird.

Quelle: BDU, „Facts & Figures zum Personalberatungsmarkt 2024“ (Berichtsjahr 2023), S. 13; BDU, „Grundsätze ordnungsgemäßer Personalberatung“ (Stand Dezember 2024), Ziff. 2.3.

Warum diese Zahlen für Ihren Betrieb nur ein Anhaltspunkt sind

Die BDU-Zahlen beschreiben vor allem die Suche nach Fach- und Führungskräften mit hohem Gehalt: Das durchschnittliche Zieleinkommen der besetzten Positionen lag bei mehr als 150.000 Euro, nur 7 Prozent der Positionen lagen unter 75.000 Euro. Das Handwerk wird in der Studie nicht gesondert ausgewiesen. Für die Vermittlung von Gesellen oder Meistern habe ich keine belastbare Statistik gefunden. Holen Sie deshalb mehrere schriftliche Angebote ein und vergleichen Sie Honorarsatz, Zahlungsplan und Nachbesetzungszusage.

Darf ein Headhunter Ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz anrufen?

Abwerben ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die Grenzen hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen gezogen:

Das Aufsuchen eines fremden Betriebs, um dort Beschäftigte abzuwerben, gilt nach der Rechtsprechungsübersicht von Omsels als wettbewerbswidrig. Ob das auch gilt, wenn Mitarbeiter bei einem Dritten eingesetzt sind, etwa auf einer Baustelle, ist danach nicht abschließend geklärt. Aus meiner Praxis kenne ich beides: Anrufe direkt am Arbeitsplatz und Ansprachen auf der Baustelle. Fragen Sie deshalb vor der Beauftragung, wie der Headhunter Kandidaten anspricht. Der Ruf Ihres Betriebs in der Region hängt auch daran. (Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung.)

Vorteile und Nachteile eines Headhunters

Vorteile

Nachteile

Woran Sie einen seriösen Headhunter erkennen

Bevor Sie unterschreiben, prüfen Sie diese Punkte. Mehrere davon sind in den „Grundsätzen ordnungsgemäßer Personalberatung“ des BDU (Stand Dezember 2024) ausdrücklich vorgesehen:

Alternativen zum Headhunter im Überblick

Ein Headhunter ist nur einer von mehreren Wegen. Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten Alternativen gegenüber:

WegKostenWer macht die Arbeit?Was bleibt im Betrieb?
Headhunter / PersonalberatungØ 28 % des Jahreszieleinkommens (BDU, 2023), meist mit AnzahlungExterner BeraterEine besetzte Stelle
Eigenes Active SourcingEigene Arbeitszeit, ggf. Kosten für Netzwerk-ZugängeEine Person im Betrieb mit Zeit und InteresseKontakte, Erfahrung, Wiederholbarkeit
MitarbeiterempfehlungenEigene Festlegung, z. B. eine PrämieDas eigene TeamBindung und Stolz auf den Betrieb
Arbeitgeber-Service der Agentur für ArbeitKostenfreiArbeitgeber-Service gemeinsam mit IhnenKontakt zur regionalen Agentur
Stellenanzeige mit klarem ArbeitgeberprofilJe nach KanalSie selbstSichtbarkeit als Arbeitgeber

Quellen: BDU (2024), S. 13; Agentur für Arbeit, Arbeitgeber-Service; eigene Darstellung.

Eigenes Active Sourcing: Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) definiert Active Sourcing als „die gezielte und aktive Ansprache von passenden Kandidatinnen und Kandidaten“. Genutzt wird es nur von gut 40 Prozent der Unternehmen, obwohl die Mehrheit der Nutzer es als sehr erfolgreich bewertet. Eine eigene Stelle dafür ist laut KOFA nicht nötig, wohl aber jemand mit Interesse, Zeit und passenden Fähigkeiten. Sinnvoll ist ein überschaubarer Testlauf für ein bestimmtes Engpassprofil. Wie das bei Auszubildenden aussieht, beschreibe ich im Beitrag Azubis gewinnen im Handwerk.

Mitarbeiterempfehlungen: Laut KOFA lassen sich Stellen aus Sicht der Unternehmen über Empfehlungen aus der eigenen Belegschaft am erfolgreichsten besetzen, noch vor Active Sourcing. Voraussetzung ist ein Team, das gern im Betrieb arbeitet und das auch weitererzählt.

Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit: Die Agenturen für Arbeit beraten Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften und Nachwuchs, zu Fördermöglichkeiten und zur Fachkräfteeinwanderung. Die Leistungen sind kostenfrei.

Klares Arbeitgeberprofil: Jeder dieser Wege funktioniert besser, wenn Kandidaten schnell erkennen, warum sich ein Wechsel zu Ihnen lohnt. Mehr dazu im Beitrag Employer Branding für Handwerksbetriebe.

Meine Einschätzung: Sollten Handwerker einen Headhunter beauftragen?

Für einen dringenden Einzelfall, etwa eine Schlüsselposition wie einen Werkstattleiter, kann ein Headhunter eine vertretbare Lösung sein. Langfristig ist meine Antwort: nein. Wer dauerhaft auf Dritte angewiesen ist, bezahlt bei jeder Stelle neu und baut im eigenen Betrieb keine Fähigkeit auf.

Ich halte es für entscheidend, dass Inhaberinnen und Inhaber von Handwerksbetrieben selbst in der Lage sind, Mitarbeiter zu finden und zu halten. Dazu gehören ein klares Bild davon, wen Sie suchen, ein glaubwürdiger Auftritt als Arbeitgeber, feste Zuständigkeiten für Ansprache und Empfehlungen sowie ein gutes Onboarding. Genau diese Kompetenz bringe ich Betrieben bei. Eine strukturierte Methode dafür finden Sie im Leitfaden Mitarbeiter finden im Handwerk.

Wenn Sie klären möchten, ob in Ihrer Situation ein Headhunter sinnvoll ist oder ob ein eigenes System schneller trägt:

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Häufige Fragen

Was kostet ein Headhunter für Handwerker?

Personalberatungen rechnen meist mit einem Prozentsatz des Jahreszieleinkommens der gesuchten Person ab. Laut BDU-Studie lag das durchschnittliche Honorar 2023 bei 28 Prozent des Zieleinkommens, bei kleineren Beratungen bei 25 Prozent. Diese Werte stammen überwiegend aus Suchen nach Fach- und Führungskräften mit hohem Gehalt; eine eigene Statistik für das Handwerk gibt es dort nicht.

Muss ich den Headhunter nur bei Erfolg bezahlen?

Nicht unbedingt. Laut BDU-Studie arbeiten die meisten Personalberatungen mit einem Retainer, also einer Anzahlung bei Auftragserteilung. Nur ein kleiner Teil rechnet rein erfolgsbasiert ab. Klären Sie deshalb vor dem Auftrag schriftlich, welche Raten wann fällig werden und was bei einem Abbruch der Suche gilt.

Darf ein Headhunter meine Mitarbeiter am Arbeitsplatz anrufen?

Ein kurzer erster Anruf ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich zulässig: Der Anrufer darf das Interesse an einem Wechsel erfragen, die Stelle knapp beschreiben und einen Kontakt außerhalb der Arbeit vereinbaren. Wettbewerbswidrig wird es, wenn er weiterredet, obwohl kein Interesse besteht, oder das Gespräch über eine knappe Stellenbeschreibung hinaus ausdehnt.

Woran erkenne ich einen seriösen Headhunter?

An einer schriftlichen Übersicht zu Suchmethodik, Honorar und Geschäftsbedingungen, an echten Kenntnissen Ihres Gewerks, an einer Nachbesetzungszusage für den Fall, dass die eingestellte Person in der Probezeit wieder geht, und an einer Vereinbarung, dass vermittelte Mitarbeiter später nicht wieder abgeworben werden.

Welche Alternativen gibt es zum Headhunter?

Die wichtigsten Alternativen sind eigenes Active Sourcing, ein strukturiertes Empfehlungsprogramm im Team, der kostenfreie Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit sowie ein überzeugender Auftritt als Arbeitgeber. Laut KOFA bewerten Unternehmen Mitarbeiterempfehlungen als erfolgreichsten Besetzungsweg, gefolgt von Active Sourcing.

Quellen

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