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Ratgeber · Für Nachfolger

Handwerksbetrieb übernehmen: Die Phasen und Herausforderungen aus Nachfolgerperspektive

Sie überlegen, einen bestehenden Handwerksbetrieb zu übernehmen – als familieninterner Nachfolger, als langjähriger Mitarbeiter im Management-Buy-out oder als Quereinsteiger von außen. So unterschiedlich diese drei Ausgangslagen sind, so ähnlich ist der Weg, der vor Ihnen liegt: von der ersten vagen Idee bis zu dem Tag, an dem Sie als Chef oder Chefin vor „Ihrem" Team stehen. Dieser Beitrag begleitet Sie durch die vier Phasen dieses Weges – mit den typischen Stolpersteinen jeder Phase und den Personen und Institutionen, die Sie konkret unterstützen.

Die Gegenperspektive – wie ein Inhaber den Übergabeprozess aus seiner Sicht plant und steuert – behandelt der Beitrag Unternehmensnachfolge im Handwerk: Die Phasen, Hürden und wer Sie dabei unterstützt. Beide Artikel beschreiben denselben Prozess aus zwei Blickwinkeln, die am Ende aufeinandertreffen müssen, damit eine Übergabe gelingt.

Phase 1 – Sensibilisierung: Für mich selbst klären, ob und wie

Am Anfang jeder Übernahme steht keine Zahl, sondern eine Frage an sich selbst: Will ich das wirklich? Und traue ich mir das zu? Aus meiner Arbeit mit angehenden Meisterinnen und Meistern und aus eigenen Studien zur Berufswahl im Handwerk hat sich dabei ein wiederkehrendes Muster gezeigt: Es lassen sich grob drei Typen potenzieller Nachfolger unterscheiden.

Die Entschlossenen haben für sich schon früh entschieden, dass sie selbstständig werden wollen. Sie brauchen keine Überzeugungsarbeit mehr, sondern vor allem tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung – eine konkrete Option, eine Finanzierung, einen Plan. Die Unentschlossenen schließen eine Übernahme nicht aus, haben aber gewichtige Bedenken: das unternehmerische Risiko, die Sorge, dass für die Familie keine Zeit mehr bleibt, die Unsicherheit über die eigene Rolle. Diese Gruppe überzeugen am ehesten positive Vorbilder – Menschen, die den Schritt schon gegangen sind und zeigen, dass die gefürchteten Nachteile in der Praxis beherrschbar sind. Und schließlich die Unsicheren: Sie trauen sich die Verantwortung und das Risiko einer Selbstständigkeit (noch) nicht zu. Meine Erfahrung aus vielen Gesprächen zeigt aber: Ein Teil dieser Gruppe wächst mit der Zeit und mit zunehmender Erfahrung tatsächlich in die Rolle hinein und wird am Ende doch Nachfolger.

Was zu tun ist: Finden Sie ehrlich heraus, zu welchem Typ Sie aktuell tendieren – das ist keine Schwäche, sondern der erste Schritt zu einer realistischen Planung. Prüfen Sie parallel Ihre fachliche Ausgangslage: Haben Sie den erforderlichen Meisterbrief oder eine vergleichbare Qualifikation, und wie steht es um kaufmännische Grundkenntnisse (Kalkulation, Personalführung, Buchhaltung)? Sichten Sie dann grob den Markt: Kommt eine familieninterne Übernahme, ein Einstieg als angestellter Mitarbeiter mit späterem Buy-out oder der externe Einstieg in einen fremden Betrieb für Sie infrage? Und nehmen Sie erste, unverbindliche Kontakte auf – zur Familie, zu einem möglichen Alt-Inhaber oder zu einer Beratungsstelle.

Typische Herausforderungen

Wer Sie in dieser Phase unterstützt

Phase 2 – Vorbereitung: Optionen prüfen und Finanzierung sondieren

Aus der Idee wird jetzt eine konkrete Prüfung. Sie sprechen mit einem oder mehreren Alt-Inhabern, schauen sich reale Betriebe an und bekommen ein erstes Gefühl dafür, was eine Übernahme tatsächlich kosten könnte – und was Sie sich leisten können.

Was zu tun ist: Führen Sie Erstgespräche mit dem oder den Alt-Inhabern – offen, aber unverbindlich. Schätzen Sie grob Ihre eigene Finanzierungsfähigkeit ein: Wie viel Eigenkapital können Sie einbringen, welche Sicherheiten haben Sie? Informieren Sie sich parallel über Förderprogramme. Für die Übernahme eines bestehenden Betriebs gibt es mit dem ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (KfW-Programm 077) ein spezifisches Instrument: Er finanziert anteilig bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten (maximal 500.000 Euro), läuft über eine Hausbank und ist über eine Bürgschaftsbank weitgehend risikoentlastet – der Antrag muss aber vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Lassen Sie sich außerdem von Ihrer Handwerkskammer zu regionalen Zuschüssen und zur Bürgschaftsbank Ihres Bundeslandes beraten.

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Phase 3 – Verhandlung: Prüfen, bewerten, verhandeln, finanzieren

Jetzt wird es verbindlich. Sie prüfen einen konkreten Betrieb bis ins Detail, verhandeln einen Preis und bauen die Finanzierung, die die Übernahme tatsächlich trägt. Diese Phase ist fachlich die anspruchsvollste – und die, in der Sie am wenigsten allein entscheiden sollten.

Was zu tun ist: Führen Sie eine Due Diligence durch – wirtschaftlich (Umsätze, Margen, Kundenstruktur, Auftragsbestand) und rechtlich (Verträge, Verbindlichkeiten, laufende Streitigkeiten, Pensionszusagen). Verstehen Sie die Logik der Unternehmensbewertung auch aus Käufersicht: Ein Kaufpreis ist immer das Ergebnis einer Verhandlung, nicht nur einer Formel. Klären Sie frühzeitig, in welcher Struktur die Übernahme erfolgen soll: Bei einem Asset Deal kaufen Sie gezielt einzelne Vermögenswerte, Verträge und Rechte des Betriebs – Sie können Risiken bewusst ausschließen, müssen aber beachten, dass bestehende Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB ohnehin automatisch übergehen. Bei einem Share Deal übernehmen Sie Gesellschaftsanteile – der Betrieb als Rechtsträger bleibt unverändert bestehen, Sie übernehmen damit aber grundsätzlich auch unentdeckte Altlasten mit. Welche Variante sinnvoll ist, entscheiden Steuerberater und Rechtsanwalt gemeinsam mit Ihnen anhand Ihres konkreten Falls. Sichern Sie parallel die Finanzierung aus Eigenkapital, Bankdarlehen und Fördermitteln ab und lassen Sie den Kaufvertrag von einem Fachanwalt gestalten.

Typische Herausforderungen

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Phase 4 – Umsetzung: Der eigentliche Übergang beginnt

Verträge sind unterschrieben, die Finanzierung steht – und jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: der rechtliche und menschliche Übergang des Betriebs. Rechtlich regelt § 613a BGB den sogenannten Betriebsübergang: Bestehende Arbeitsverhältnisse gehen mit allen Rechten und Pflichten automatisch auf Sie als neuen Inhaber über, Mitarbeitende müssen vorab in Textform über Zeitpunkt, Gründe und Folgen des Übergangs informiert werden und haben danach einen Monat Zeit, dem Übergang schriftlich zu widersprechen. Kündigungen allein wegen des Betriebsübergangs sind unwirksam.

Mindestens genauso entscheidend ist aber, wie Sie den Übergangszeitraum mit dem Alt-Inhaber gestalten, wie Sie die Akzeptanz eines eingespielten Teams gewinnen und wie Sie das Vertrauen der bestehenden Kunden auf sich übertragen – ohne dabei zu Beginn schon den eigenen „Stallgeruch" zu haben, den der Alt-Inhaber sich über Jahrzehnte erarbeitet hat. Setzen Sie eigene Impulse zunächst dosiert statt im Sturm: Wer in den ersten Monaten zu viel auf einmal verändert, verspielt genau das Vertrauen, das er gerade erst aufbaut.

Diese ersten Monate – wie viel Tempo bei Veränderungen angemessen ist, wie lang der Übergabezeitraum mit dem Alt-Inhaber sinnvoll gestaltet wird, wie Sie Mitarbeiterübernahme und Teamakzeptanz konkret meistern – vertieft der Beitrag Handwerksbetrieb übernehmen: Was muss ich als Nachfolger beachten? anhand von sechs praxisnahen Fragen.

Typische Herausforderungen

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Ein letzter, aber wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine Orientierung für die eigene Planung und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Jede Übernahme hat ihre eigenen rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Besonderheiten – klären Sie diese immer mit einem Steuerberater, einem Rechtsanwalt und Ihrer Hausbank.

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Häufige Fragen

Muss ich zwingend Meister sein, um einen Handwerksbetrieb zu übernehmen?

Das hängt vom Gewerbe ab. Für die zulassungspflichtigen Handwerke der Anlage A der Handwerksordnung (HwO) braucht es grundsätzlich einen Meisterbrief oder eine als gleichwertig anerkannte Qualifikation, um den Betrieb selbst als Inhaber zu führen – es gibt aber Ausnahmebewilligungen, etwa bei langjähriger einschlägiger Berufserfahrung, und die Möglichkeit, einen angestellten Betriebsleiter mit Meisterbrief einzusetzen. Für die zulassungsfreien Handwerke der Anlage B ist kein Meisterbrief vorgeschrieben. Lassen Sie sich hierzu frühzeitig von Ihrer Handwerkskammer beraten.

Wie viel Eigenkapital brauche ich realistisch für eine Übernahme?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht – sie hängt von Kaufpreis, Risikoeinschätzung der Bank und verfügbaren Sicherheiten ab. Förderkredite wie der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW können bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten abdecken und sind über eine Bürgschaftsbank weitgehend risikoentlastet, ersetzen aber kein vollständiges Eigenkapital. Ein belastbarer Finanzierungsplan entsteht am besten gemeinsam mit Ihrer Hausbank und Ihrer Handwerkskammer.

Was ist der Unterschied zwischen Asset Deal und Share Deal?

Beim Asset Deal erwerben Sie gezielt einzelne Vermögenswerte, Verträge und Rechte des Betriebs und können dadurch unbekannte Altlasten weitgehend ausschließen – bestehende Arbeitsverhältnisse gehen allerdings nach § 613a BGB ohnehin automatisch auf Sie über. Beim Share Deal übernehmen Sie Gesellschaftsanteile; der Betrieb als Rechtsträger bleibt unverändert bestehen, Sie übernehmen damit aber grundsätzlich auch dessen bestehende und möglicherweise unentdeckte Verbindlichkeiten. Welche Struktur passt, sollten Steuerberater und Rechtsanwalt anhand Ihres konkreten Falls entscheiden.

Wie finde ich überhaupt einen Betrieb, den ich übernehmen kann?

Die bundesweite Nachfolgebörse nexxt-change – ein kostenfreies Gemeinschaftsprojekt von Bund, KfW und Wirtschaftsorganisationen – listet Übergabeangebote und Kaufgesuche. Daneben lohnt sich die direkte Existenzgründungs- und Nachfolgeberatung Ihrer zuständigen Handwerkskammer, die auch regionale Kontakte vermitteln kann.

Was tue ich, wenn mir die Mitarbeiter am Anfang nicht vertrauen?

Das ist normal und keine persönliche Niederlage: Das Team vertraute bisher einer Person, nicht automatisch Ihrer neuen Rolle. Offene, regelmäßige Kommunikation, Kontinuität in den ersten Monaten und ein dosiertes Tempo bei Veränderungen helfen, dieses Vertrauen aufzubauen. Die konkreten ersten Schritte beschreibt der Beitrag Handwerksbetrieb übernehmen: Was muss ich als Nachfolger beachten? ausführlich.

Kann die Klarheitswerkstatt die Rechts- oder Steuerberatung ersetzen?

Nein, ausdrücklich nicht. Ich begleite Sie als Sparringspartner bei der strategischen, menschlichen und organisatorischen Seite der Übernahme – die rechtliche Vertragsgestaltung und die steuerliche Prüfung gehören immer in die Hände eines Rechtsanwalts beziehungsweise Steuerberaters.

Quellen

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