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Ratgeber · Für Übernehmer

Handwerksbetrieb übernehmen: Was muss ich als Nachfolger beachten?

Sie haben sich entschieden, einen bestehenden Handwerksbetrieb zu übernehmen – oder stehen kurz davor. Anders als bei einer Neugründung erben Sie dabei nicht nur Werkzeug, Fahrzeuge und Kundenkartei, sondern auch eingespielte Mitarbeiter, gewachsene Kundenbeziehungen und den Ruf, den der bisherige Inhaber sich über Jahre oder Jahrzehnte erarbeitet hat. Das ist ein Vorteil – und gleichzeitig die größte Hürde: Diesen Vertrauensvorschuss müssen Sie sich erst noch verdienen, gerade wenn Sie jünger, unerfahrener oder branchenfremd in den Betrieb kommen. Die folgenden sechs Fragen beschäftigen die meisten Übernehmer in den ersten Monaten. Zu jeder zeigen wir, worauf es ankommt – als Orientierung, nicht als vollständige Anleitung. Für die konkrete Umsetzung in Ihrem Fall lohnt sich ein Gespräch mit jemandem, der beide Seiten der Übergabe kennt.

Übernehme ich automatisch alle Mitarbeiter – und was ändert sich für sie rechtlich?

Ja, in den allermeisten Fällen: Nach § 613a BGB gehen bestehende Arbeitsverhältnisse beim Betriebsübergang automatisch und zu den bisherigen Bedingungen auf Sie als neuen Inhaber über – gleiches Gehalt, gleicher Urlaubsanspruch, gleiche Position. Ihre Mitarbeiter müssen keinen neuen Vertrag unterschreiben, und Sie können ihnen nicht einfach andere Konditionen aufzwingen. Umgekehrt haben Mitarbeiter ein gesetzliches Widerspruchsrecht gegen den Übergang, und die bloße Tatsache der Übernahme ist niemals ein zulässiger Kündigungsgrund – weder für Sie noch für den bisherigen Inhaber im Vorfeld.

Was zu tun ist: Klären Sie vor der Vertragsunterschrift gemeinsam mit dem Alt-Inhaber genau, welche Arbeitsverhältnisse automatisch übergehen und ob es offene Lohnrückstände, Sondervereinbarungen oder Besonderheiten bei leitenden Angestellten gibt. Die gesetzlich vorgeschriebene schriftliche Information der Mitarbeiter über Datum, Gründe und Folgen des Übergangs sollte rechtzeitig vorbereitet werden – idealerweise gemeinsam mit dem Alt-Inhaber, da sie am glaubwürdigsten aus dessen Mund kommt. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; bei komplexeren Konstellationen lohnt sich vorab ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Wie gewinne ich als neuer Chef die Akzeptanz des bestehenden Teams?

Das ist für die meisten Übernehmer die größte menschliche Herausforderung – größer als jede rechtliche oder finanzielle Frage. Der bisherige Inhaber hat sich seinen Status im Betrieb über Jahre erarbeitet. Diesen Status haben Sie am ersten Tag nicht automatisch, auch wenn der Kaufvertrag unterschrieben ist. Das Team beobachtet in den ersten Wochen sehr genau, ob Sie die Arbeit, die Kunden und die Kollegen wirklich verstehen – oder nur die Zahlen im Blick haben.

Was zu tun ist: Nehmen Sie sich in den ersten Wochen bewusst Zeit zum Zuhören, bevor Sie etwas verändern. Finden Sie heraus, wer im Team informell Orientierung gibt – das ist nicht immer die Person mit dem größten Titel. Kommunizieren Sie früh und offen, was sich ändern wird und was bewusst bleibt, wie es ist. Unsicherheit über die Zukunft verunsichert ein Team mehr als jede konkrete, aber klar kommunizierte Veränderung.

Bleiben die Kunden auch bei mir als neuem Inhaber – oder wandern sie ab?

Gerade im Handwerk hängen viele Kundenbeziehungen stark an der Person des bisherigen Inhabers, nicht nur an der Marke oder dem Betrieb. Ein abrupter, unangekündigter Wechsel ist eines der größten Risiken für die Umsatzentwicklung im ersten Jahr nach der Übernahme.

Was zu tun ist: Planen Sie einen Übergabezeitraum ein, in dem wichtige Bestandskunden gemeinsam mit dem Alt-Inhaber persönlich besucht oder zumindest kontaktiert werden. Vertrauen entsteht in dieser Phase vor allem durch Kontinuität – gleichbleibende Qualität, gleichbleibende Ansprechbarkeit –, bevor sichtbare Veränderungen wie ein neues Auftreten oder neue Prozesse folgen.

Wie lange sollte der bisherige Inhaber nach der Übergabe noch im Betrieb bleiben?

Hier gibt es zwei Fehler, die etwa gleich häufig vorkommen: eine zu kurze Übergabezeit, bei der Wissen und Vertrauen verloren gehen, weil der Alt-Inhaber zu früh komplett verschwindet – und eine zu lange, unklar geregelte Übergabezeit, in der das Team weiterhin zum „alten Chef" schaut und Sie faktisch nie richtig übernehmen.

Was zu tun ist: Vereinbaren Sie eine feste, im Übergabevertrag verankerte Zeitspanne mit einer klar abnehmenden Rolle des Alt-Inhabers – statt eines unbefristeten „man wird schon sehen". Wichtige Entscheidungen sollten nach einer definierten Frist erkennbar bei Ihnen liegen, auch wenn der Vorgänger noch beratend im Haus ist.

Muss ich den Betrieb sofort verändern oder erstmal alles lassen, wie es ist?

Die meisten Übernehmer haben eigene Vorstellungen im Kopf – mehr Digitalisierung, klarere Prozesse, ein moderneres Auftreten. Das Team hat aber gerade erst einen Wechsel verarbeitet, der ohnehin schon Verunsicherung mit sich bringt. Zu viele Veränderungen auf einmal wirken dann nicht als Aufbruch, sondern als Bedrohung.

Was zu tun ist: Priorisieren und staffeln Sie Veränderungen zeitlich. Beginnen Sie mit Dingen, die niemand ernsthaft infrage stellt – etwa administrative Abläufe im Hintergrund. Größere kulturelle oder strukturelle Eingriffe sind sinnvoller, sobald erstes Vertrauen aufgebaut ist, nicht in den ersten Wochen.

Wie finanziere ich die Übernahme eines Handwerksbetriebs?

Die Finanzierungsfrage hängt stark von der Struktur der Übernahme ab (Asset Deal vs. Share Deal), von der Unternehmensbewertung und von Ihrer eigenen Kapitalausstattung. Pauschale Aussagen zur „richtigen" Finanzierungshöhe sind unseriös, weil sie von zu vielen individuellen Faktoren abhängen – dazu gehört auch, dass dies keine personalisierte Finanzberatung ersetzt.

Was zu tun ist: Holen Sie frühzeitig eine unabhängige Bewertung des Betriebs ein, statt sich allein auf die Einschätzung des Verkäufers zu verlassen. Klären Sie die Finanzierung – Eigenkapital, Bankdarlehen, ggf. Förderprogramme für Unternehmensnachfolgen, wie sie unter anderem Förderbanken wie die KfW anbieten – parallel zu den Übernahmegesprächen, nicht erst danach, wenn der Kaufpreis bereits feststeht.

Keine dieser sechs Fragen lässt sich an einem Nachmittag abschließend klären – und keine davon müssen Sie allein durchdenken. Wenn Sie eine Einschätzung von jemandem möchten, der sowohl die Übergeber- als auch die Übernehmerseite von Betriebsnachfolgen im Handwerk kennt:

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Häufige Fragen

Muss ich beim Kauf eines Handwerksbetriebs alle Mitarbeiter übernehmen?

In der Regel ja: Nach § 613a BGB gehen bestehende Arbeitsverhältnisse automatisch und zu unveränderten Bedingungen auf Sie über. Ausnahmen gelten unter anderem für leitende Angestellte oder echte freie Mitarbeiter. Die Details hängen von der konkreten Übernahmeform ab und sollten vor Vertragsunterschrift rechtlich geprüft werden.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter der Übernahme widerspricht?

Mitarbeiter haben ein gesetzliches Widerspruchsrecht gegen den Übergang ihres Arbeitsverhältnisses. Widersprechen sie form- und fristgerecht, bleibt ihr Arbeitsverhältnis beim bisherigen Inhaber bestehen – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen für beide Seiten. Das ist in der Praxis selten, sollte aber im Übergabevertrag mitgedacht werden.

Was ist der größte Fehler, den Übernehmer in den ersten Monaten machen?

Häufig ist es, zu viele sichtbare Veränderungen gleichzeitig anzustoßen, bevor das Team überhaupt Vertrauen aufbauen konnte. Der zweithäufigste Fehler ist eine zu kurze oder zu unklar geregelte Übergabezeit mit dem Alt-Inhaber, wodurch wichtiges Wissen und Kundenbindungen verloren gehen.

Wie viel Startkapital brauche ich für die Übernahme eines Handwerksbetriebs?

Das lässt sich pauschal nicht seriös beziffern – es hängt von der Unternehmensbewertung, der Übernahmeform und Ihrer Eigenkapitalquote ab. Üblich ist eine Mischung aus Eigenkapital, Bankdarlehen und teils Fördermitteln für Unternehmensnachfolgen. Eine unabhängige Bewertung des konkreten Betriebs ist der erste sinnvolle Schritt.

Wie schnell nach der Grundsatzentscheidung sollte ich mir Unterstützung holen?

Je früher, desto besser – idealerweise schon vor der Vertragsunterschrift, da sich Weichen wie die Gestaltung der Übergabezeit oder die Kommunikation mit dem Team im Nachhinein nur schwer korrigieren lassen. Ein kostenfreies Erstgespräch schafft schnell Klarheit, welche Themen in Ihrem konkreten Fall am dringendsten sind.

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